Du gehst durch die Tür , doch bleibst du hier.
Du läufst die Strasse entlang, doch stehst du still.
Du horchst dich um, doch hörst du nichts.
Du siehst mich an, doch du erkennst mich nicht.
Du, die mich auf diese Welt gebracht und einen Teil von mir geprägt hat.
Du hast dich und mich vergessen.

Diese Worte sind mir zu meiner Mutter eingefallen, die im Sommer 2007 gestorben ist. Sie hatte Alzheimer und hat in den letzten Jahren nach und nach Erinnerungen, Ereignisse, Personen und am Ende sich selber vergessen. Ob sie gelitten hat kann ich nicht sagen, da ich nicht weiß, ob sie am Ende nicht sogar das Leiden vergessen hat. Was ich aber mit Sicherheit weiß ist , dass ich gelitten habe. Das Gefühl zu beschreiben, wie es ist, mit ansehen zu müssen wie ein vertrauter Mensch, den man ein Leben lang gekannt hat, sich verändert und einem fremd wird, ist sehr schwer.
Es ist jetzt einige Zeit her, dass die Familie am Grab meiner Mutter stand und um sie trauerte. Doch wenn ich ehrlich bin hatte ich schon Monate vor ihrem Tod das Gefühl, dass sie nicht mehr unter uns ist. In dem Augenblick, als kein Erkennen mehr in ihrem Blick war, als wir sie besuchten. In dem Augenblick, als sie uns wie Fremde behandelte, zwar immer noch mit uns gesprochen hat, dieses Gesprochene sich aber auf Ereignisse und Dinge bezog, die von Außenstehenden und vor allen Dingen von mir nicht mehr verstanden wurden. Sie vergaß immer mehr, was sich in ihrer Gegenwart und der erst kürzlich zurückliegenden Vergangenheit ereignet hatte.
Es war ein halbes Jahr nach ihrem Tod vergangen, als mir diese Zeilen eingefallen sind, die versuchen in Worte zu fassen, was damals genau passiert ist. Eines weiß ich aber mit Gewissheit, ohne meine Familie hätte ich diese Zeit nicht überstanden. Dafür möchte ich meinen Kindern Sandra, Steffi, Maximilian und meiner Frau Andrea danken.